In Gesprächen mit IT-Unternehmen begegnet uns beim Thema Leadgenerierung häufig dieselbe Sichtweise: Der Fokus liegt oftmals auf Formularen, Downloads oder dem ersten Gespräch mit dem Vertrieb. Weil diese die Stellen sind, an denen die Leads dann tatsächlich generiert werden. Doch gerade bei komplexen Lösungen beginnt der eigentliche Entscheidungsprozess deutlich früher.
Potenzielle Kunden informieren sich selbstständig, vergleichen Anbieter, lesen Fachbeiträge, folgen Unternehmen auf LinkedIn und tauschen sich intern aus, bevor überhaupt ein konkreter Kontakt entsteht. Den Lead-Gen-Prozess folglich erst ab dem ausgefüllten Formular zu denken, greift aus unserer Sicht deshalb häufig zu kurz.
Für nachhaltiges Wachstum reicht es nicht aus, punktuell einzelne Leads zu generieren. Entscheidend ist der systematische Aufbau von Sichtbarkeit, Vertrauen und Nachfrage sowie im Anschluss ein durchdachtes Nurturing-Konzept für eine planbare Pipeline.
Was bedeutet Leadgenerierung eigentlich?
Leadgenerierung beschreibt den Prozess, potenzielle Interessenten zu identifizieren und in einen strukturierten Vertriebs- oder Marketingprozess zu überführen.
In der Praxis wird Leadgenerierung häufig auf eine einzelne Kennzahl reduziert:
- Anzahl der Formulare
- Anzahl der Downloads
- Anzahl der Marketing Qualified Leads
- Anzahl der Vertriebsanfragen
Das ist messbar und wichtig. Dennoch ist die Fokussierung dieser Zahlen – insbesondere im IT-Umfeld – nicht ausreichend.
Komplexe IT-Lösungen werden selten spontan gekauft. Kaufentscheidungen entstehen meist über einen längeren Zeitraum und unter Beteiligung verschiedener Personen. Bevor Interessent:innen die eigenen Kontaktdaten hinterlassen, hatten sie häufig bereits zahlreiche Berührungspunkte mit einem Unternehmen.
Leadgenerierung beginnt daher nicht erst mit dem Ausfüllen eines Formulars. Sie beginnt deutlich früher.
Warum Sichtbarkeit allein noch keine Nachfrage erzeugt
Viele Unternehmen investieren in Suchmaschinenoptimierung, Social Media oder Kampagnen und erzielen dadurch mehr Sichtbarkeit. Das ist ein wichtiger Schritt, bedeutet jedoch zunächst lediglich, dass ein Unternehmen gefunden wird. Ob daraus Interesse entsteht oder Kontakt aufgenommen wird, hängt von weiteren Faktoren ab.
Fragen potenzieller Kund:innen sind beispielsweise:
- Versteht das Unternehmen meine Herausforderung?
- Verfügt der Anbieter über relevante Expertise?
- Ist die Lösung für meine Situation geeignet?
- Kann ich diesem Anbieter vertrauen?
Wer Sichtbarkeit aufbaut, ohne gleichzeitig Fachkompetenz zu vermitteln, erzeugt zwar Aufmerksamkeit, das führt aber nicht automatisch auch zu steigender Nachfrage. Unsere Empfehlung daher: Jede Interaktion mit potenziellen Kund:innen sollte systematisch auf die Kompetenzvermittlung und auf das Vertrauen einzahlen. Use Cases, Success Stories, Kund:innenstimmen oder Expert:innenmeinungen können hierfür interessante Elemente sein.
Vertrauen entsteht bereits vor dem ersten Vertriebsgespräch
In den Gesprächen mit unseren Kund:innen erfahren wir regelmäßig, dass Interessent:innen im B2B-Umfeld Entscheidungen häufig auf Basis von Empfehlungen oder Vertrauen und wahrgenommener Kompetenz treffen.
Letztere entwickeln sich jedoch nicht erst im Vertriebstermin.
Es entsteht bereits vorher durch viele kleine Signale:
- fundierte Fachartikel
- hilfreiche Website-Inhalte
- Veranstaltungen und Webinare
- praxisnahe LinkedIn-Beiträge
- konsistente Botschaften
- nachvollziehbare Positionierung
- glaubwürdige Fürsprecher:innen
Jeder dieser Berührungspunkte trägt dazu bei, wie ein Unternehmen wahrgenommen wird.
Besonders bei komplexen IT-Lösungen möchten Interessent:innen oftmals zunächst verstehen, welche Herausforderungen relevant sind, welche Lösungsansätze existieren und welche Anbieter diese Themen kompetent einordnen können.
Unternehmen, die frühzeitig Wissen vermitteln und am Vertrauensaufbau arbeiten, haben unserer Erfahrung nach bessere Voraussetzungen, in Betracht gezogen zu werden, wenn später eine konkrete Kaufentscheidung ansteht.
Warum kontinuierliche Touchpoints entscheidend sind
Menschen konsumieren Inhalte in unterschiedlichen Kanälen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Sie lesen einen Blogbeitrag, sehen einige Wochen später einen LinkedIn-Beitrag, besuchen anschließend ein Webinar und laden vielleicht Monate später einen Leitfaden herunter.
Jeder dieser Touchpoints stärkt Bekanntheit, Vertrauen und Relevanz.
Deshalb sollten Unternehmen Leadgenerierung nicht als einzelne Kampagne betrachten, sondern als kontinuierlichen Prozess.
Wichtige Fragen sind:
- Welche Inhalte begleiten Interessent:innen entlang ihrer Reise?
- Welche Themen beantworten relevante Fragen?
- Wie wird die eigene Expertise sichtbar gemacht?
- Wie bleiben wir über längere Zeit präsent?
Je besser diese Fragen beantwortet werden, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass aus Interesse konkrete Nachfrage entsteht.
Awareness, Leadgenerierung und Lead Nurturing gehören zusammen
Wir erleben es immer wieder, dass die Bereiche Awareness, Leadgenerierung und Lead Nurturing isoliert betrachtet werden. Dabei bauen sie unmittelbar aufeinander auf.
- Awareness
Potenzielle Kund:innen werden auf das Unternehmen aufmerksam.
Ziel:
- Sichtbarkeit und Reichweite ausbauen
- Aufmerksamkeit erzeugen und auf dem Radar bleiben
- Leadgenerierung
Interessent:innen zeigen konkretes Interesse und treten in den Dialog ein.
Ziel:
- Nachfrage generieren
- Kontaktdaten gewinnen
- Lead Nurturing
Leads werden systematisch weiterentwickelt.
Ziel:
- Vertrauen ausbauen
- Entscheidungsreife erhöhen
- Kaufprozesse unterstützen
Wer sich ausschließlich auf die mittlere Phase konzentriert, verschenkt häufig Potenzial. Denn nachhaltige Nachfrage entsteht unserer Erfahrung nach dort, wo Sichtbarkeit, Vertrauen und kontinuierliche Kommunikation ineinandergreifen.
Häufige Fehler bei der Leadgenerierung
- Fokus ausschließlich auf Formulare
Leads sind das Ergebnis eines Prozesses, nicht dessen Ausgangspunkt. - Kampagnen ohne strategischen Unterbau
Einzelmaßnahmen erzeugen Aktivität, generieren aber nicht automatisch eine nachhaltige Pipeline. - Zu wenig Expertise sichtbar machen
Wer komplexe Lösungen anbietet, sollte klare Botschaften und Nutzen kommunizieren und Fachkompetenz vermitteln. - Fehlende Kontinuität
Vertrauen aufzubauen, braucht Zeit. Einzelne Aktionen reichen dafür selten aus. Wir empfehlen, auf einer stabilen Markenbasis ein durchdachtes Konzept aufzubauen, das kontinuierlich Touchpoints mit der Zielgruppe schafft, um bei Recherchen und Kaufentscheidungen präsent zu sein.
Fazit
Gerade im IT-Markt entstehen Kaufentscheidungen selten spontan. Interessent:innen informieren sich lange vor dem ersten Kontakt mit dem Vertrieb und bewerten Anbieter bereits in dieser frühen Phase.
Leadgenerierung sollte deshalb nicht als isolierte Maßnahme verstanden werden. Erfolgreiche Unternehmen entwickeln Sichtbarkeit, Vertrauen und Nachfrage systematisch über viele Touchpoints hinweg.
Wer Marketing als zusammenhängenden Prozess aus Awareness, Leadgenerierung und Lead Nurturing betrachtet, schafft bessere Voraussetzungen für qualifizierte Leads, erfolgreichere Vertriebsprozesse und nachhaltigeres Wachstum. Die zentrale Frage lautet daher nicht: „Wie generieren wir mehr Leads?“ Sondern: „Wie schaffen wir systematisch die Voraussetzungen dafür, dass Nachfrage entstehen kann?“
Bente Wunder
Senior Marketing Consultant | Strategieberatung & Konzeption
Strategie, Positionierung und integrierte Kommunikation bilden die Schwerpunkte meiner Arbeit. Mit meinem 360°-Blick auf unsere KundInnen entwickele ich Marketing- und Kampagnenkonzepte für komplexe B2B- und IT-Themen und beschäftige mich intensiv mit Zielgruppen, Buying Centern, Nutzenargumentationen und Customer Journeys. Dabei betrachte ich nicht nur einzelne Maßnahmen, sondern insbesondere deren Zusammenspiel über unterschiedliche Phasen, Touchpoints und Kanäle mit dem Ziel, dass Marketing systematisch auf Unternehmensziele einzahlt.